European Meeting of Friends:
Christian Studies of Buddhism
- Review
9 - 11 Feb 96
Academy of
Mission,
Hamburg
Draft agenda
Friday 9th
17 - 18:00 Arrival at Academy, check in
18:30 Supper
19:45 Introduction: Introducing ourselves
20:15 1) Talk: What I expect of friendship with Christians
Dr. Rewata Dhamma (Birmingham, Great Britain)
Moderator: Gerhard Köberlin
21:45
Meditation
Gundula Meyer (Ohof, Germany)
Saturday 10th
7:30 Meditation
8:00 Breakfast
9:00 2) Christian Studies of Buddhism: Issues, Experiences
I
Reporting by the participants from Great Britain, Ireland,
Russia,
Sweden
Moderator: Aasulv Lande (Lund, Sweden)
10:45-11:15
Coffee, Tea
11:15 3) Christian Studies of Buddhism: Issues, Experiences
II
Reporting by the participants from the Netherlands,
Austria, Germany
Moderator: Aasulv Lande
13:00
Lunch
15:00 Coffee, Tea, Cake
15:30 4) Doing Christian Theology in the Context of
Friendship with Buddhists. What are common theological issues of our
Buddhist studies?
Moderator: John May (Dublin, Ireland)
16:45
Break
17:15 5) Doing Christian Theology in the Context of
Inter-cultural, and Inter-religious experience. What are common issues
of our inter-cultural encounter as European Christian theologians with
the religious experience of European, North American and Asian
Buddhists?
Moderator: Georg Evers (Aachen, Germany)
19:00
Supper with
friends of inter-religious dialogue in Hamburg
21:45 Meditation
Sunday 11th
7:30 Meditation
8:00 Breakfast
9:00 6)
Possibilities
of Co-operation in Europe
- Facilities, and programmes, of study and encounter
(theological education, European Congress of Theologians,
inter-religious centres)
- Exchange of staff and students
- Links with other regions
Moderator: Andrew Wingate (Selly Oak, Great Britain)?
10:45-11:15
Coffee, Tea
11:15 7) Closing Reflections: What I expect of friendship
with
Christians (Rewata Dhamma), what I expect of friendship with Buddhists
(other
participants)
Moderator: Gerhard Köberlin
12:30
Lunch
13:00 Departures
Here is the main referat given at the conference.
Ven. Dr. Rewata Dhamma,
Spiritual
Director of The
Birmingham Buddhist Vihara in the U.K.:
(Published in "Current Dialogue", December 1996 Vol 30. World Council
of
Churches)
"What I expect of friendship with christians"
From a
closing comment
by Dr. Rewata Dhamma
He regards this to be appropriate for the study Buddhism in Europe. Many Christians practice meditation, but don't study Buddhism. Many Buddhists in the West study Buddhism, but avoid the study of Christianity. Buddhism is growing in Europe, especially in Russia, but much of it is interest in psychology. However, to learn about Buddhism means to learn a way of life. This European Network can help to coordinate.
It is good to see the cross of Jesus Christ, a symbol of suffering, in communication with the Buddha's teaching about the overcoming of suffering. Many more links between Buddhists and Christians will grow in Europe, not only through migrations such as the Tibetan refugees, but also through the economic power of Asia building up.
Whereas the integration of Buddhism into the European culture needs careful study (the context seems to be a certain fascination for re-incarnation), the life and growth of Christianity in Asia also needs attention. Europeans need to establish good communication between Christians and Buddhists.
In the European
context Christians
and Buddhists need to see each other as friends, to understand each
other
as neighbours, in order to accept and integrate that which each one
understands.
Study is not enough. We must support life together, living as friends,
brothers
and sisters together.
The meeting ended
with thanks
to the participants, to Dr. Rewata Dhamma, Mrs Ramona Kauth as the
Buddhist
friends, to Rev Gundula Meyer who guided the regular meditation of the
group,
and to those donors who enabled the Academy of Mission to convene this
conference:
the Ausschuß für entwicklungsbezogene Bildung und
Publizistik
(ABP) of Evangelische Kirche in Deutschland, and the German ecumenical
association
Dienste in Übersee.
Gerhard
Köberlin, Associate
director of studies, Academy of Mission, Hamburg, 17. 2. 1996
FULL VERSION, GERMAN TRANSLATION:
Europäisches
Freundestreffen: Christliche Buddhismusstudien
Missionsakademie an der Universität Hamburg, 9.-11.
Februar 1996
Was ich von der Freundschaft mit Christen erwarte
Liebe Freunde,
infolge vieler
bemerkenswerter
Fortschritte der modernen Technologie ist die Entfernung zwischen einem
Teil
der Welt und einem anderen heutzutage rapide zusammengeschrumpft.
Dieser
schnelle Fortschritt bedeutet, daß Kommunikation und
Reiseverbindungen
heute viel einfacher herzustellen sind. Folglich können sich Ost
und
West um vieles leichter begegnen als jemals zuvor. Gleichzeitig gibt es
aber
ein wachsendes Bewußtsein von einem die Gesellschaft
durchziehenden
Element der Veränderung, das sich weltweit auf sämtliche
Wertestrukturen
und sämtliche menschlichen Lebensbereiche auswirkt. Besonders
offensichtlich
ist dies in den Bereichen von Kultur, Wirtschaft, Politik und Religion.
In
unserem Zeitalter können wir uns sehr viel einfacher als jemals
zuvor
miteinander verständigen und einander kennenlernen. Dadurch ist
die
Vorarbeit zu einem gegenseitigen Verhältnis und zu Dialog zwischen
den
Völkern der Welt nicht mehr so schwierig wie in den frühen
Tagen
des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Verbesserung bedeutet, daß
wir
nunmehr die Kulturen anderer Völker, ihre gesellschaftlichen und
politischen
Systeme und ihren jeweiligen religiösen Glauben studieren und so
zu
deren Wertschätzung gelangen können. Das kann jedoch nur gut
sein,
wenn wir von anderen nicht mehr erwarten als von uns selbst. Diese
Erwartungsebene
ist ein Grundthema, das ich unter dem mir für diese Konferenz
zugewiesenen
Thema "Was ich von der Freundschaft mit Christen erwarte" entwickeln
möchte. Bevor ich aber meine Ansichten zum Hauptgegenstand dieses
Vortrags vorbringe, möchte ich zuerst ein paar worte über das
sagen, was `ein Buddhist von einem Buddhisten erwartet'.
Vielfalt und Einheit
Wenn wir über
den Buddhismus
hier in der westlichen Welt sprechen, dann bedeutet das nicht, wie Sie
alle
sehr wohl wissen, daß wir uns dabei auf nur eine Schule des
buddhistischen
Glaubens beziehen. Denn der Buddhismus hat zwei Haupttraditionen -
Mahayana
und Theravada. Innerhalb des Mahayana gibt es viele verschiedene
SEKTEN/Richtungen
- etwa die vier tibetischen Schulen des Buddhismus sowie viele
chinesische,
japanische und koreanische Schulen. Wenn wir die Theravadatradition
reden,
dann schließen wir darin auch die drei Traditionen von Myanmar,
Thailand
und Sri Lanka ein. Insgesamt werden praktizierende Buddhisten im Osten
also
dazu neigen, ausschließlich einer bestimmten buddhistischen
Tradition
zu folgen. Das ist in der westlichen Welt jedoch nicht unbedingt der
Fall.
Dort kann ein am Buddhismus Interessierter leicht Zugang zu beiden
großen
Schulen und zu deren verschiedenen Richtungen und Praktiken haben.
Diese
Situation herrscht auch in der christlichen Tradition mit ihren drei
Hauptrichtungen - den Katholiken, den Protestanten und den Orthodoxen
mit ihren verschiedenen anerkannten DENOMINATIONEN. Wie ich vorhin
schon sagte, können die Völker
des Ostens heute denen des Westens ziemlich leicht begegnen, und
bedeutungsvolle
Dialoge können aufgenommen werden. Aber ehrlich gesagt, bevor wir
erwarten
können, ein Verhältnis zu schaffen, um in einen konstruktiven
Dialog
mit einem Christen einzutreten, müssen wir zuerst ein solides
Verständnis
des Glaubens und der ÜBUNGEN unserer eigenen Religion erlangen.
Das
trifft ganz besonders für mein Thema zu, denn ein Buddhist, der
sich
in den Versuch eines Dialogs mit jemandem aus einer anderen Religion
einläßt,
wird sich nicht auf das Studium einer bestimmten Schule des Buddhismus
beschränken. Vielmehr sollte er den Bereich seiner Studien
ausweiten, so daß er ein
größeres Verständnis der verschiedenen Traditionen
erlangt.
Es ist außerdem unmöglich, einen erfolgreichen Dialog
zwischen
den Vertretern der gesamten christlichen Tradition und einem Vertreter
einer
einzelnen buddhisltischen Tradition zu erlangen und umgekehrt. Dieser
Gedanke
ist keineswegs neu. Der große buddhistische KÖNIG/Emperor
Ashoka,
der der im 3. Jh. vor Christus in Indien lebte, ließ ein Edikt in
eine
Steinsäule meißeln. Diese Säule steht bis zum heutigen
Tag
an einem besonderen Ort in Sarnah nahe Varanasi. Die Übersetzung
der
Inschrift lautet:
"Wer die Religion eines anderen nicht achtet, der achtet seine
eigene
nicht.
Wer die Religion eines anderen achtet, der achtet seine eigene."
Dieses Edikt
enthält den
Kernpunkt meiner Botschaft an Sie alle bezüglich dessen, was ein
Buddhist
von anderen Buddhisten und von Christen erwartet, ebenso wie von den
Anhängern
jeder anderen Religion.
ANHAFTUNG
Der Buddha sprach
von vier Arten
der Anhaftung (Upadana), die zu menschlichem Leiden führen: es
gibt
die Anhaftung an SINNESOBJEKTE, an Ansichten oder Ideen, an Riten und
Zeremonien
und an das Selbst. Wenn wir allmählich immer mehr unseren eigenen
Ansichten
und philosophischen Vorstellungen verhaftet sind, unseren
religiösen
Riten und Zeremonien, dann können wir die Fähigkeit zur
Offenheit
verlieren und dazu, uns gegenüber anderen mit unterschiedlichen
Standpunkten
flexibel und tolerant zu verhalten. Je mehr wir uns an unsere
persönlichen
Überzeugungen und Ansichten festklammern, desto weniger sind wir
naturgemäß
in der Lage, auf diejenigen anderer wirklich hinzuhören. Wir
können
außerdem selbstsüchtig werden und überempfindlich gegen
Kritik.
Wenn dann unsere Überzeugungen angegriffen, in Frage gestellt oder
verworfen werden, sind wir anfällig dafür, wütend zu
reagieren und für
unsere Wut zu leiden. Der Buddha warnte stets vor jeder Art von
Anhaftung,
da das die Grundursache allen Leidens ist. Wenn lwir
übermäßig an unseren eigenen religiösen
Überzeugungen und Praktiken hängen, dann wenden wir viel Zeit
und Geld auf, um diese Überzeugungen durch Teilnahme an
religiösen Riten und Zeremonien zu bestätigen. Dadurch sind
wir so sehr unserem eigenen religiösen Glauben und den Zeremonien
verhaftet, daß es uns oft nicht mehr gelingt, diejenigen anderer
zu
bedenken und wertzuschätzen. Diese Situation ist bedauerlich und
entsteht
dadurch, daß wir blindlings und gefühlsbetont an dem von uns
für
richtig Befundenen haften und damit den Standpunkt anderer ohne jede
Objektivität
sehen.
Objektives STUDIUM
Ich möchte
also hier sagen,
daß wir jedwedes Studium einer anderen als unserer eigenen
Religion
objektiv vornehmen müssen, wenn es unsere Bemühung wirklich
lohnen
soll, wenn es Wissen, Einsicht und Verständnis erbringen soll. Und
noch
bevor wir ein solches Studium beginnen, müssen wir bereits tiefes
Verständnis
und tiefe Einsicht in unsere eigene Religion erlangt haben. Als
Buddhist
erwarte und wünsche ich also für meine christlichen
Brüder
und Schwestern überall, daß sie sich tiefes Wissen und
Wertschätzung
des Christentums aneignen mögen. Wenn Sie die Lehren Christi ganz
und
gar verstehen, dann werden Sie unzweifelhaft ein mehr als
oberflächliches
Verständnis der Lehren Buddhas erlangen können. Und Sie
werden
dann auch die sehr allgemein gültige und zeitlose Bedeutung der
Lehren
des Buddha zu schätzen wissen. Deren Kern ist kurz
zusammengefaßt:
"Lerne Gutes zu tun,
laß ab davon, Böses zu tun
und läutere deinen Geist.
Dies ist die Lehre aller Buddhas."
Sowohl Buddhismus
als auch Christentum
sind sehr alte, anerkannte Religionen, und beide verkünden
höchst
tiefgründige und doch NACHVOLLZIEHBARE/practical Lehren, die von
vielen
Millionen Menschen seit Urzeiten fromm angenommen worden sind. Wenn es
uns
gelingen soll, in einen schwungvollen Dialog einzutreten, der es uns
ermöglicht,
eine wirkliche Wertschätzung dieser beiden uralten Religionen zu
erlangen,
dann müssen wir zuallererst mit den notwendigen Anstrengungen
fortfahren,
unsere eigene Religion eingehend zu studieren und zu erforschen. Wenn
wir
uns jedoch an unsere eingene Religion und ihre Lehren klammern unter
Ausschluß
jeder anderen, dann haben wir unseren Geist und unsere Augen für
alles
Verschiedene und möglicherweise Nützliche verschlossen. Wir
sind
dann geistig isoliert und es fällt uns sehr viel schwerer, andere
religiöse
Systeme und Traditionen sowie ihren spirituellen Nutzen objektiv
wahrzunehmen.
Daher empfehle ich, daß wir alle gezielte Anstrengungen
unternehmen,
um zuerst unsere eigenen relilgiösen Überzeugungen und
Praktiken
zu erforschen. Der Inder Dr. Raymond Pannikar, ein katholischer
Priester,
sagte einmal: "Ich ging fort (aus Rom) als Christ; ich stellte fest (in
Indien),
daß ich ein Hindu bin; und ich kehre als Buddhist (nach Rom)
zurück,
ohne daß ich jemals aufgehört habe, ein Christ zu sein." [R.
Pannikar,
Glaube und Überzeugung: Eine Multireligiöse Erfahrung]
Weisheit und Wahrheit
Man kann sich der
Anwort auf
die Frage "Was ein Buddhist vom Christentum erwartet" auf viele
verschieden
Weise nähern. Die Antwort ist jedoch sehr einfach für jeden,
der
den Buddhismus zwecks Erweiterung seines eigenen Wissens erforscht und
um
sich seines vielfältigen geistlichen Nutzens zu erfreuen. Ein
Buddhist
erwartet lediglich Toleranz und die Freiheit von Argwohn und Angst.
Toleranz
kann nur aus der Erkenntnis aufgrund richtigen Verstehens entwickelt
werden.
In bezug auf das Christentum kann die erforderliche Erkenntnis dadurch
erlangt
werden, daß wir die Lehren Christi gründlich untersuchen.
Mit
der Fortentwicklung unserer Wahrnehmungsfähigkeit wird unser
Verständnis
und unser Einblick in seine Lehre klarer und tiefer werden. Diese
Einsicht
wird uns auch darin bestärkern, tolerant zu sein. Buddhisten
sagen,
daß Weisheit und Mitgefühl als Tugenden Hand in Hand gehen
müssen,
da sie einander ergänzen und zusammen ausgeübt werden
sollten.
Genauso ist es, wenn Ihre EInsicht in Christi Lehren anwächst und
Ihr
Verständnis sich vertieft. Sie werden dann mit der Zeit wahre
Liebe
und Mitgefühl in Ihren Herzen haben, und es wird sich ganz
selbstvertändlich
und sofort Toleranz entwickeln. Ich möchte hier besonders betonen,
daß
man ein aufrichtiges Verständnis von der Botschaft Christi
erlangen
sollte. Wenn wir uns ängstlich an die Lehren und Doktrinen unserer
eigenen
Religion klammern und uns nur auf sie verlassen, indem wir alle anderen
ausklammern,
wenn wir aus blindem Glauben heraus an ihnen festhalten, dann werden
wir
die Wahrheit in jeder anderen Religion nicht sehen können.
Wahrheit
ist Wahrheit, und sie hängt nicht ab von Zeit oder Raum, von
Kultur
oder Ort, obwohl die Menschen ihr verschiedenen Ausdruck verleihen und
sie
von vielfältigen Gegebenheiten beeinflußt sein mag. Im
Johannesevangelium wird JESUS zitiert: "Ihr sollt die Wahrheit wissen,
und die Wahrheit wird euch frei machen." Dies ist ein höchst
lohnendes Ziel für alle Menschen,
überall und zu jeder Zeit. Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu
wissen.
Das ist jedoch nicht durch blinden Glauben zu erreichen. `Sehen
heißt
glauben` - das ist die Rolle der Einsicht, deren Pflege niemand von uns
vernachlässigen
sollte.
Argwohn und Furcht
Nun möchte ich etwas zu der zweiten Erwartung von Buddhisten an Christen sagen, nämlich zu Freiheit von Argwohn und Furcht. Argwohn und Furcht hängen eng zusammen. Diese Gefühle gehören zur menschlichen Natur. Wenn wir etwas neuem begegnen oder etwas, das außerhalb unserer Kenntnis und Erfahrung liegt, dann betrachten wir es natürlich mit Argwohn und Furcht - einfach weil wir es noch nicht verstehen. Die Gefühle von Argwohn und Furcht sind jedoch tatsächlich ein Hindernis für unser Verständnis. Als Buddha noch auf Erden wandelte, kamen die KALAMAS zu ihm und äußerten ihre Zweifel über religiöse Lehren. Der Buddha antwortete auf ihre Kritik und ihre Fragen und sagte: "Ihr KALAMAS, wenn ihr etwas nicht aus euch selber heraus versteht, dann werdet ihr stets Argwohn und Zweifel darüber hegen. Ich sage euch deshalb EHI PASSIKO - `kommt und seht` selber, bevor ihr euch entscheidet, es anzuerkennen."
Ich möchte auch meine hier versammelten christlichen Freunde einladen zu EHI PASSIKO - `kommt und seht` die Lehren Buddhas selber an, bevor ihr auch nur den Versuch macht, sie anzuerkennen. Der Buddha hat während seiner 45-jährigen Schaffenszeit vieles gelehrt. Wenn Sie bei Ihrer Erforschung aber etwas finden, das für Sie persönlich nützlich ist, dann nehmen sie es sich zu Herzen. Befolgen Sie es und lassen Sie den Rest beiseite. Buddhismus ist strenggenommen keine Religion in dem Sinne, in dem der Begriff Religion allgemein verstanden wird. Buddhismus ist eher eine Lebensweise, die auf der Bemühung um Weisheit beruht. Es ist also ehrlich gesagt nicht notwendig, Buddhist zu werden, wenn Sie Buddhismus praktizieren wollen. Der Buddha hat oft gesagt: "Ich bin nur ein Führer, der euch den Weg zur Befreiung zeigt. Ihr aber müßt selber für euer eigenes Heil sorgen." Der Buddha wird nicht als ein Erlöser der Menschen betrachtet, sondern als ein Führer und Lehrer, dessen Beispiel jeder folgen kann.
Während sehr
vieler Lebenszyklen
hat der Buddha viele Übungen moralischer Vollkommenheit und viele
Entbehrungen
praktiziert, bis seine Mühen Frucht trugen und ihn
befähigten,
sein Ziel der Erleuchtung zu erlangen. Wenn auch wir frei von aller
Unterjochung
und allem Leid sein und zu Weisheit und Erleuchtung gelangen wollen,
dann
können wir, unabhängig von unseren Lebensumständen,
seinem
Beispiel folgen. Obwohl der Buddha niemanden erretten kann, ist er doch
ein
anregendes Vorbild dafür, wie die Weisheit erlangt werden kann,
die
dann Erleuchtung und Befreiung bringt. Wenn Sie wirklich dem Buddhismus
nachgehen
wollen, dann tun Sie es mit offenem und forschendem Verstand. Jedes
Gefühl von Argwohn, das Sie anfänglich haben mögen, wird
dabei verschwinden. Und wenn Ihr Urteil nicht mehr von Argwohn
gefärbt ist, gibt es auch keine Furcht mehr. Furcht ist ein
großes Hindernis für jeden, der
sich auf einem spirituellen Pfad befindet. Wenn jemand von einem
anderen spirituellen
Weg spricht oder von einer anderen religiösen Lehre, dann wird uns
fast
immer bange, und wir denken, daß vielleicht unsere
religiösen
Überzeugungen bedroht sind, oder daß wir konvertieren
könnten,
oder daß wir die Sicherheit unseres religiösen Glaubens
verlieren
könnten. Das nun kommt daher, daß unsere eigenen starken
Überzeugungen
bezüglich unserer eigenen Religion in einem emotional
begründeten
Glauben und emotionaler Anhänglichkeit wurzeln. Und eben diese
falsche
Anhänglichkeit ist es, die Furcht in uns erzeugt. Ich hoffe
aufrichtig,
daß Sie die Lehren des Buddha untersuchen, bevor Sie sich deren
Praktizierung
hingeben - dann werden zweifellos Argwohn und Furcht verschwinden.
Heute
praktizieren viele christliche Mönche, Nonnen und Laien in ihrem
täglichen
Leben buddhistische Meditation, und ihr Leben wird dadurch bereichert.
Manche
von ihnen sagen, daß ihr Verständnis ihres christlichen
Glaubens
und seiner Lehren sich durch die Meditation vertieft und verstärkt
habe.
Die Drei Zufluchten
Abschließend möchte ich Ihnen kurz die Bedeutung der Praxis erklären, die Drei Zufluchten zu ergreifen. Und damit hoffe ich, daß Sie erkennen werden, was Buddhismus wirklich ist. Buddhisten wenden sich bei vielen besonderen Gelegenheiten und in vielen Situationen des täglichen Lebens an die Drei Zufluchten. Zuflucht ergreifen bedeutet, bewußt folgende Worte dreimal zu rezitieren:
Buddham
saranam gacchami
- Ich nehme Zuflucht zum Buddha
Dhammam saranam gacchami - Ich nehme Zuflucht zum Dhamma
Sangham saranam gacchami - Ich nehme Zuflucht zur Sangha
Dem Buddha zufolge gibt es zwei Arten von Krankheit oder Übel, die die menschliche Gesellschaft belasten, nämlich körperliche und geistige Krankheit. Der Buddha sagte außerdem, daß es ganz wenige Menschen in dieser Welt gibt, die für einen Augenblick, einen Tag, eine Woche, ein Jahr oder sogar für hundert Jahre frei von körperlicher Krankheit sind. Dagegen gibt es aber niemanden in dieser Welt, der frei von geistigem Unwohlsein ist. In Unwohlsein steckt un-wohl oder befangen. Wenn etwas geschieht, das unserem Körper oder Geist schadet, dann werden sie un-wohl. Wenn Verlangen, Wut, Eifersucht etc. in unseren Gedanken entstehen, dann wird der Geist un-wohl. Alle Menschen sind soziale Wesen. Es ist eine Tatsache, daß niemand ohne die Gesellschaft leben kann. Jedesmal, wenn unsere Sinne mit einem Sinnesobjekt in Berührung kommen, reagieren wir entweder mit Zustimmung oder Ablehnung. Diese Zustimmungen und Ablehnungen sind Gelüste und Abscheu. Unsere Sinne werden immer dann un-wohl, wenn sie in uns entstehen. Wenn wir Unglück oder Kummer erleben, Klage oder irgendeinen ungünstigen Zustand, dann entstehen negative Gefühle in uns, weil unsere Sinne bereits ungesund sind und wir schon krank waren. Ich werde ärgerlich, wenn jemand etwas tut oder sagt, das meinen Vorstellungen entgegensteht. Dies geschieht nicht nur aufgrunddessen, was die Person tat oder sagte, sondern auch, weil in mir Wut, Verlangen oder Zuneigung als verborgene Anlagen (anusaya-kilesa) vorhanden sind. Wenn es in mir kein Verlangen, keine Wut oder Zuneigung gibt, dann werde ich auch nicht ärgerlich über irgendetwas sein, was er oder sie mir sagte oder tat. Der Buddha sagte, daß wir selber verantwortlich für unser Glück oder Unglück sind, und daß wir selber es sind, die wir unseren Himmel oder unsere Hölle schaffen. Daher betrachten wir den Buddha als einen großen Arzt, der unser Übel feststellen und die geeignete Medizin zu seiner Heilung verschreiben kann. Aus diesem Grunde sagen wir, wenn wir Zuflucht nehmen: `Buddham saranam gacchami - Ich nehme Zuflucht zum Buddha.`
Als Medizin bot der Buddha das Dhamma an. Das Dhamma ist dreifach und besteht aus Sila (Ethik), Samadhi (Achtsamkeit und Panna (Einsicht). Allgemein gesprochen bedeutet Sila ethische Grundsätze. Herkömmlicherweise fassen wir diese in verschiedene Gebote, die von den Laien oder den Mönchen und Nonnen zu befolgen sind. Kurz gesagt heißt Sila, daß man nichts Böses tun soll. Was wir auch tun, welche Worte wir immer sprechen, unsere Taten und Worte sollten keinem lebenden Wesen Schaden zufügen, sollten es nicht unglücklich machen oder ihm Kummer bringen. Wenn wir Irgendeinem anderen Wesen Schaden zufügen, der es unglücklich macht, dann vergehen wir uns gegen Sila, die ethischen Grundsätze.
Samadhi oder Achtsamkeit bedeutet Meditation. In unserem Alltagsleben heißt Meditaion, daß wir unsere Gemütsbewegungen, Gedanken und Gefühle beherrschen. Wenn wir unseren eigenen Geist und unsere Gedühle nicht beherrschen, dann können wir die ethischen Grundsätze nicht wahren. Jede verderbliche Tat oder Rede, die wir mit böser Absicht vollbringen, verursacht Leiden und rührt ursprünglich aus unserem Geist und unseren Gedanken her. Der Buddha begann das Dhammapada mit diesen Worten:
"Der Geist
ist der Wegbereiter
aller üblen Zustände.
Der Geist ist ihr Anführer;sie sind vom Geist gemacht.
Wenn jemand mit boshaftem Geist spricht oder handelt,
dann folgt ihm das Leid.
Wenn jemand mit reinem Geist spricht oder handelt,
dann folgt ihm das Glück."
Und weiter sagt der Buddha:...
"Wenn auch
jemand eine
Million Männer in der Schlacht besiegt,
so ist er doch kein wahrhafter Eroberer.
Der ist jedoch der edelste Sieger,
der sich selbst bezwungen hat." (Dhammapada)
Panna oder Einsicht heißt hier, die wahre Natur unseres Lebens zu verstehen. Wenn wir begreifen, daß das Wesen des Lebens unbeständig ist, daß es Leiden ist und ohne ein unwandelbares Selbst, dann kann dieses Verständnis alle unsere negatiben Kräfte auflösen. Das heißt, wenn Einsicht entsteht, dann kann man alle verborgenen Befleckungen und Veranlagungen ausmerzen. Es ist genauso, wie wenn mit dem Erscheinen eines Lichtes die Dunkelheit vertrieben wird. Diese durchdringende Einsicht kann durch das Praktizieren von Meditation erreicht werden. Daher nehmen wir Zuflucht zum Dhamma, um unser Un-wohlsein zu heilen.
Zuflucht zur Sangha zu nehmen heißt, daß wir der Heiligen Gemeinschaft, der Sangha, folgen. Man könnte sagen, daß jeder, der Sila, Samadhi und Panna praktiziert und so seinen Geist bis zu einem gewissen Grade geläutert hat, damit zu einem Mitglied der Sangha oder der Heiligen Gemeinschaft geworden ist. Wenn wir uns selbst von unserem Un-wohlsein heilen wollen, dann sollten wir ihrem Weg folgen. Mit diesem Ziel nehmen wir Zuflucht zur Sangha. Wenn Sie die wahre Bedeutung dessen verstehen, diese Drei Zufluchten zu ergreifen, dann werden Sie entdecken, daß es tatsächlich gar keinen Buddhismus gibt. Unabhängig davon, ob man Buddhist ist oder nicht - wer seine oder ihre Übel heilen will, kann und sollte dieses dreifache Dhamma praktizieren. Wer das Dhamma praktiziert unter Einbeziehung von Sila, Samadhi und Panna in das tägliche Leben, kann als jemand angesehen werden, der ein reines und glückliches Leben führt. Darum möchte ich meinen christlichen Freunden sagen, haben Sie keine Angst oder keinen Argwohn gegen das Praktizieren von Buddhismus. Denn Buddhismus ist keine Religion der Gnade, sondern eine Lebensweise und ein gesunder Weg zur Erreichung unserer eigenen Befreiung. Es ist ist ein Weg zu Glück und Wohlbefinden.
Mögen alle
Wesen glücklich
sein.
Ehrwürden Dr.
Rewata Dhamma
Birmingham Buddhist Vihara
Großbritannien
übersetzung
aus dem Englischen:
Gisela Köberlin, Würzburg, Sept. 1996
für die
Zeitschrift "Dialog
der Religionen" (Gütersloh)
(Updated
11th Sept.
1998)